Museum Abteiberg

7.4.06

Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach

April 2006

Nach 22 Jahren in dieser Stadt war der Besuch lange überfällig. Bin ich tatsächlich ein solcher Kulturmuffel? Größtenteils ja!

Mit ausgestellter Kunst kann ich wenig anfangen, kann nur sagen ob sie mir gefällt oder nicht. Das Hintergrundwissen ist nahe null. Interessiert mich auch (meistens) nicht. Aber dieser Besuch hat sich wirklich gelohnt!

(Technischer Hinweis: Manche Fotos passen in der großen Darstellung, also nach dem Anklicken, nicht ganz auf den Bildschirm. Sie werden zunächst verkleinert angezeigt, was Verzerrungen bringt. Warten Sie bitte, bis unten rechts dieses Zeichen

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Das fängt ja gut an! Kurz nach der Ankunft finde ich schon mein Lieblingsobjekt. Es ist nur ein Bücherregal, aber was für eins ...
Eigentlich sind es 24 einzelne Bücherregale übereinander. Jedes einzelne ist nichts Tolles, billige Massenware aus dem Baumarkt. Das würde ich mir zuhause nicht antun. Aber diese Anordnung! 24 Stück genau senkrecht übereinander, immer im gleichen Abstand und genau mittig passend zur Lichtkuppel und zu den Bodenfliesen! Das Objekt ist geschätzt 8 Meter hoch, wenn man von einem Abstand von circa 33 Zentimetern ausgeht. Eine tolle Länge, die genau in den Raum paßt. Die oberen Bücher erreicht man nicht, und das Abstauben wird wohl auch schwierig, aber wen stört das schon?

Etliche andere Ausstellungsstücke finde ich ehe (ver-)störend ("Du Banause!", höre ich jetzt schon viele Kenner kreischen. Was soll's.)
Aber richtig spannend ist die Architektur dieses Gebäudes.
Man bekommt den Eindruck, und vielleicht ist es tatsächlich so, daß jeder Raum eine andere Form hat. Besonders ausgeprägt ist das im Untergeschoß.

Ruhe und Aufregung wechseln sich heute ab. Erst 'ne kleine Pause auf dem Lederpolster, dann plötzlich Unruhe, laute Stimmen und Blitzlichtgewitter. Blitzlichter sind im Museum verboten, doch hier können sich die Hobbyfotografen nicht zurückhalten:



Eine schrille "Domina" mit zwei jungen "Sklaven" in der Eingangshalle!
Ich dachte zunächst, diese Live-Perfomance sei Teil des angebotenen Programms. Doch immerhin waren auch Kinder dort, und das Aufsichtspersonal (wie heißen diese Mitarbeiter eigentlich offiziell?) schien ebenso überrascht und irritiert zu sein wie die Besucher. Nach ein paar Minuten wurden die drei Künstler hinauskomplimentiert, und die Museumswelt war damit wieder in Ordnung. Leider erfuhr ich deshalb nicht, wer diese Leute waren und was der Auftritt bezwecken sollte. Jedenfalls war die Aktion gut organisiert und keinesfalls spontan.
Bestimmt haben einige Kinder neugierige Fragen gestellt. Was kann man da antworten? Vielleicht: "Das ist eine böse Frau aus dem Märchen. Sie hat zwei arme Männer gefangen, die jetzt für sie arbeiten müssen." Oder etwas Ähnliches?

Dann ging's auch gleich wieder weiter mit dem Rundgang. Für mich war es eine Entdeckungsreise. Den größten Teil der Ausstellung hätte ich zwar weggetan. Aber diese Architektur! Diese Räume wären toll zum Wohnen. Eine Mitarbeiterin des Museums erzählte mir, daß manche Besuchergruppen, bevorzugt Studenten, allein wegen der Architektur kommen. Das kann ich gut verstehen.



Ich bin kein Freund von Marmorfußböden. Aber wenn das Material so vielfältig geformt eingesetzt wird, kann man wohl nur begeistert sein.




Mit vielen Ausstellungsstücken kann ich gar nichts anfangen. Ein Stück Autowrack an der Wand? Mmh ... Manche Exponate sehen banal und stümperhaft aus. Da denke ich, ich könnte das sogar ohne handwerkliches Geschick selbst besser machen.
Aber plötzlich ich der Ärger verflogen, und ich bin restlos versöhnt, denn da sind völlig überraschend
Fotos von Man Ray!
Oh ja, Mensch, ist das toll. Hier in der Provinz hätte ich das nicht erwartet.



Obwohl schon vor 30 Jahren gestorben, ist er noch immer einer der allergrößten Fotografen. Von solchen Aufnahmen wage ich nicht zu träumen. Einfach wunderbar!

Ja, ich würde gern da wohnen, mit solchen Fotos an der Wand und mit dem großen Bücherregal und einigen anderen Sachen.
Die Räume sind toll. Es gibt immer wieder Überraschungen mit neuen Formen, willkürlichen Abtrennungen, Zwischentreppen, versteckten Räumen und unvermuteten, teils asymetrischen Winkeln. Einiges konnte ich mit der Kamera einfangen. Leider ist die gelieferte Wiedergabe technisch eingeschränkt. Aber dafür ist der Service für den Blog auch kostenlos ...



Ebenfalls kostenlos war der Museumsbesuch. Es gibt dort eine Aktion, daß bis zum September 2006 der Eintritt an jedem ersten Sonntag im Monat frei ist. Prima Sache!

Meine Beschreibung und die Fotos sind ein rein subjektiver Ausschnitt. Andere Besucher würden wahrscheinlich ein ganz anderes Bild zeichnen. Ich freue mich auf solche Vielfalt.